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2015 | SILO«Vom Kohlesilo zum Solarkraftwerk zum Batteriespeicher»

Das Projekt Kohlesilo befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Sulzer-Burckhardt AG im Gundeldinger Quartier in
Basel. In den letzten 15 Jahren hat sich das Gundeldinger Feld vom Industriebetrieb zu einem vielfältigen und beliebten  Kultur- und Arbeitsstandort mit über 70 Mietern entwickelt. Die ehemalige Heizzentrale mit dem Kohlesilo wurde seit dem Einbau der Fernheizung nicht mehr
benötigt. Die Heizzentrale wurde im Zuge der Umnutzung als eines der ersten Projekten zur Kinder-Zirkusschule umgebaut, das Kohlesilo lag lange brach. Mit der nun vorliegenden Umnutzung soll die Verdichtung auf dem Areal weitergeführt und auch so das angestrebte Ziel der 2000 Watt Gesellschaft angesteuert werden. Mit dem Einbau von drei neuen Beton- Zwischendecken in die Siloschächte konnten über 200 m2 neue Nutz-Fläche gewonnen werden. Logistisch stellte dies im Bauablauf eine grosse Herausforderung dar. Andere Materialien, wie z.B. Holz, wurden in Hinsicht auf die Stabilität des Gebäudes sowie des erforderlichen Brandschutzes wieder verworfen. Die Betonausschnitte für die Fenster als auch für die Durchgänge im Innern waren betreffend Grösse nicht frei wählbar, sondern wurden durch den Ingenieur vorgegeben. Abweichungen davon wären nur mit einem deutlich höheren finanziellen Aufwand realisierbar gewesen. Das Gundeldinger Feld steht unter Arealschutz, damit wurde von der Denkmalpflege vorgegeben, dass das umgebaute Silo nicht als neuer Solitärbau auffallen soll. Eine Aussendämmung überdeckt zwar den alten Beton, aber durch die Wahl von Materialien, die bereits auf dem Areal vorhanden sind oder gebraucht weiter verwendet wurden, konnte dieses Ziel erreicht werden. Die neue, aussen liegende  Stahltreppe besticht schon nach wenigen Tagen durch ihren rostigen Charme und die Liftverkleidung entstand aus bereits gebrauchtem Material und verwischt damit Spuren von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Auch im Innern wurden etliche Bauteile aus der Bauteilbörse oder von aktuellen Abbruchobjekten wiederverwendet. Dies betrifft die Heizkörper, Sanitärapparate, Leuchten und Küchenelemente. Da die Mieter ihre Oberflächen im Innern weitgehend selber bestimmen konnten, zeigt sich nun eine Vielfalt an Möglichkeiten und Ideen. Von der obersten Treppenplattform bietet sich ein grossartiger Blick über das Gundeldingerfeld und weiter in die Stadt.  Als sichtbares Zeichen für den Wandel von fossilen zu erneuerbaren Energien wurde an der Süd- und Nordfassade sowie auf dem Dach Photovoltaik integriert. Die verwendeten Photovoltaik Paneele weisen eine ganz neue Glasbeschichtungstechnologie auf. Durch die matte Oberfläche und verschiedene Farben wird die Photovoltaik als ästhetisches Baumaterial wahrgenommen – erst bei genauerem Hinsehen entdeckt man die dahinterliegenden, energiegewinnenden Elemente. Das Kohlesilo ist eines der ersten Bauten weltweit, an dem diese an der EPFL Lausanne entwickelte Beschichtungstechnologie eingesetzt wurde. Die farbigen Elemente wurden auch auf dem Dach eingesetzt, hier noch im Vergleich zu traditionellen PV-Modulen. Jedes PV-Modul auf Dach und Fassade wird betreffend Leistung separat gemessen und ausgewertet.
Als weitere Innovation werden Lithium-Eisenphosphat-Batterien aus Twike Elektrofahrzeugen als second-life Batteriespeicher eingesetzt. Die Batterien dieser Autos werden nach einer gewissen Benützungsdauer als mobile Speicher ausgetauscht - für die stationäre Nutzung weisen die Batterien allerdings noch ausreichende Leistungsfähigkeit auf. Durch diesen Speicher kann der Eigenverbrauch des am Gebäude produzierten Stromes deutlich erhöht werden.

PROJEKT «Vom Kohlesilo zum Solarkraftwerk zum Batteriespeicher.»
ORT Gundeldinger Feld, Dornacherstrasse 192 | Basel
BAUJAHR 2015
BAUHERRSCHAFT Kantensprung AG
PROJEKTLEITUNG Rosmarie Schwarz, baubüro in situ | Kerstin Müller, baubüro in situ

FOTOS Martin Zeller

Doku_Kohlesilo.pdf
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