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2015 | GÜTERSTRASSE 81 _ Mehrfamilienhaus

 

Im Basler Gundeli-Quartier sanierte das baubüro ein Mehrfamilienhaus und verwendete zur Erhaltung des ursprünglichen Fassadenbildes Wärmedämmputz mit Aerogel. Das Resultat ist abgesehen von der neuen Farbgebung kaum sichtbar, doch der Heizwärmeverbrauch hat sich deutlich vermindert.
Während dem Umbau wurde der aus dem Jahr 1911 stammende Bau erweitert und energetisch wesentlich verbessert. Ziel der Gesamt­sanierung war es, das Haus in seiner Erscheinung zu erhalten. Dies nicht nur äusserlich, auch die ursprünglichen Details im Innern wollten wir bewahren. Die Technik (Heizung, Brandschutz, Elektro) hingegen, sollte erneuert werden.
Obwohl das Objekt nicht als schützenswert eingestuft ist, wählten wir gemeinsam mit der Bauherrschaft ein behutsames Vorgehen und zogen die Denkmalpflege bei, um die baulichen Massnahmen an der Fassade im gegenseitigen Einvernehmen zu definieren. Von Beginn an war klar, dass sich dieses Objekt besonders gut für die Verwendung des Aerogel-Wärmedämmputzes eignet. Die Möglichkeit, eine energetische Gebäudeerneuerung bei gleichzeitiger Bewahrung der historischen Substanz vorzunehmen, überzeugte. Das Vorgehen bei der Anbringung des Putzes unterscheidet sich kaum von der eines herkömmlichen Putzes. Ausgeführt als Kellenwurfputz, sorgt dieser dafür, dass sich die Charakteristik der neuen Fassade kaum vom Original unterscheidet.
Der Wärmeschutz der Gebäudehülle wurde aber nicht nur an der Strassenfassade, sondern in allen Teilen wesentlich verbessert: durch gut gedämmte Fenster, die Aufdoppelung der Wohnungseingangstüren sowie Wärmedämmmassnahmen bei den Storenkästen, der Kellerdecke, der Hofdurchfahrt und beim Dach. Aufgrund des Aerogel-Dämmputzes und der weiteren Massnahmen liessen sich die Wärmeverluste um fast zwei Drittel verringern.
Teil der Gesamterneuerung waren zudem der Dachgeschossausbau und eine Wohnraumerweiterung, die an die Wohnbereiche und Küchen angrenzt. Die neue vorgelagerte Raumschicht mit einer vollverglasten Holzbaufassade auf der Ebene der alten Balkone verleiht der Hofseite ein neues Gesicht, das sich komplett von jenem der Strasse zugewandten differenziert. Während die strassenseitigen Zimmer sowie der Flur keine Änderung erfuhren, wurden Bad und WC den heutigen Komfortbedürfnissen angepasst. Diese sollte dem verfügbaren Wohnraum entsprechend nicht zu gross ausfallen. Das ursprünglich vom Wohnraum her erschlossene, sehr enge Bad ohne WC wurde in ein kompaktes, innenliegendes Bad transformiert. Dieses Vorgehen ermöglichte es, den Wohnbereich, der sich über Alt- und Anbau erstreckt, so grosszügig wie möglich zu belassen. Das bisher als Estrich genutzte Dachgeschoss wurde wir in eine 3-Zimmer-Wohnung umgebaut, die zur Nordseite hin über eine 27 Quadratmeter grosse Terrasse verfügt.
Anstelle der bisherigen Versorgung mit Öl und Gas wurde das Haus an das Fernwärmenetz der Industriellen Werke Basel (IWB) angeschlossen, das bereits das Nachbarhaus mit Wärme speist. 
Der Umbau der Güterstrasse 81 wird wegweisend sein für weitere vergleichbare Objekte. Dass das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, gab uns die Möglichkeit, den neuen Dämmputz zwar unter Denkmalbedingungen, aber ohne Risiko anzuwenden.
(Textquelle: Gregor Steinke)

 

PROJEKT Pilot- und Demonstrationsprojekt | Energetische Sanierung und Erweiterung eines alten Gebäudes von 1911
ORT Güterstrasse 81 Basel
BAUJAHR 2015
BAUHERRSCHAFT CoOpera Immobilien AG, Ittingen
PROJEKTLEITUNG Oliver Seidel, baubüro in situ
PROJEKTPLANER FHNW Institut für Energie am Bau | Amt für Umwelt und Energie, Basel-Stadt | Kantonale Denkmalpflege, Basel-Stadt
SPEZIALISTEN Lauber Ingenieure AG, Luzern

FOTOS Martin Zeller

Doku_Güterstrasse 81.pdf
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